Wunderpille Viagra – die zwei Gesichter eines Medikaments

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Viele der großen Entdeckungen und Erfindungen der Menschheit geschahen durch einen Zufall. Das war bei der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, der eigentlich den Seeweg nach Indien suchte, genauso wie mit der blauen Pille, die für Millionen von Männern seitdem auf der ganzen Welt wieder richtig auf „Touren“ bringt: Viagra – ein rechtlich geschütztes Kunstwort. Viagra heißt eigentlich Sildenafil, denn das ist der Wirkstoff von Viagra.
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Vor 16 Jahren forschte ein großer Pharmakonzern nach einem Mittel gegen Herzbeschwerden und Senkung des Blutdrucks. Es sollte den Herzmuskel besser durchbluten. Aber die gewünschte Heilwirkung beim Herz blieb aus, dafür wurden aber offenbar andere Körperteile besser durchblutet. Und als die Wissenschaftler die Studie wegen der enttäuschenden Ergebnisse abbrachen, weigerten sich viele männliche Probanden, ihre überzähligen Tabletten wiederherzugeben. Es wurde sogar in das Sildenafil-Labor eingebrochen. Nun ahnte der Pharmakonzern, wo man das Mittel besser einsetzen könnte: Nämlich als Potenzmittel. 1998 kam Viagra auf den Markt und wurde so zum Milliardengeschäft für den Konzern.

Wie wirkt Viagra

Der Wirkstoff Sildenafil wird über die Darmwand vom Blut aufgenommen und gelangt so in die einzelnen Körperzellen. Vor allem in den Muskelzellen des Schwellkörpers tritt eine Entspannung und dadurch eine verstärkte Erektion ein und das Blut kann leichter in den Penis fließen. Mit Viagra wird die erektile Dysfunktion beim Mann behandelt, die manchmal auch als Impotenz bezeichnet wird. Potenzstörungen liegen vor, wenn ein Mann keinen für den sexuellen Geschlechtsakt ausreichend harten, aufgerichteten Penis bekommen kann.

Grundsätzlich tritt die chemische Wirkung von Viagra zwischen 30 und 60 Minuten ein. Wer die blaue Wundertablette auf nüchternen Magen einnimmt, spürt die Wirkung schneller. Das Einsetzen der Wirkung verzögern kann fettes Essen.

Besonders hervorheben sollte man, dass Viagra eben nicht wie ein Aphrodisiakum das Verlangen und die Lust auf Sex anregt, sondern lediglich die körperlichen Möglichkeiten verbessert. Und das auch nur, wenn eben die sexuelle Erregung bereits vorhanden ist. Genau nur dann wirkt Viagra – und zwar in einer deutlich verbesserten und auch verlängerten Erregung beim Mann.

Studien Viagra

Viagra kann auch Herzprobleme lindern. Das berichten in einer Studie Wissenschaftler der Mayo Clinic in Rochester zusammen mit Forschern der Ruhr-Universität Bochum (RUB) in der Zeitschrift Circulation (doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.111.048520). Es wurden hierbei Hunde mit einer diastolischen (Ausdehnung) Herzinsuffizienz untersucht, bei denen sich die Herzkammer nicht ausreichend mit Blut füllte. Der Wirkstoff Sidenafil (Viagra) hemmt ein spezielles Enzym, was dazu führt, daß sich der Botenstoff cGMP vermehrt bildet. Dieser Botenstoff wiederum schaltet das Enzym Proteinkinase-G an, das Phosphatgruppen an bestimmte Proteine anheftet. Diese Phosphorylierung lässt Blutgefäße erschlaffen, wofür die Potenzpille Viagra ursprünglich auf den Markt kam (bessere Herzmuskeldurchbltung). Die Bochumer und Rochester Forscher stellten fest, dass durch den gleichen Mechanismus auch das Herzmuskelprotein Titin phosphoryliert wird. Diese Titinmoleküle sind ähnlich wie Gummibänder und tragen daher entscheidend zur Steifigkeit der Herzwände bei. So Wolfgang Linke vom RUB-Institut für Physiologie. Die Aktivität der Proteinkinase-G lasse Titin erschlaffen. Das mache die Herzwände dehnbarer. Der Effekt tritt laut der Arbeitsgruppe bereits innerhalb von Minuten nach Gabe des Medikaments auf. In der sogenannten Relax-Studie des „Heart Failure Network“ wird die Wirksamkeit von Sildenafil bei Menschen bereits getestet. „Sollte sich mit dem Medikament erstmals ein positiver Effekt bei Herzinsuffizienz nachweisen lassen, hätten wir schon einen molekularen Mechanismus parat, der die Wirkung erklärt“, so Linke. © hil/aerzteblatt.de

Aber es gibt auch negative Studien. Denn alles hat zwei Seiten. Auch ein Medikament. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass eine amerikanische Studie mit 11.000 Männern herausgefunden hat, dass Viagra kann bleibende Hörschäden verursachen kann.  Die sogenannten PDE-5-Hemmer, die in Viagra enthalten sind und die für bessere Durchblutung sorgen, verdoppeln das Risiko für einen Gehörverlust. Studienleiter Gerald McGwin von der Universität von Alabama: „Die Resultate deuten darauf hin, dass die gegenwärtige Warnung in Bezug auf Hörverlust und PDE-5-Hemmer gerechtfertigt ist.“

Potenzmittel mit dem PDE–5-Hemmer sollen die Durchblutung des Schwellkörpers anregen. Ein Epidemiologe vermutet im Fachblatt „Archives of Otolaryngology-Head and Neck Surgery“, dass sie möglicherweise auch den Blutfluss im Ohrgewebe stimulieren und so das Gehör schädigen. Nutzer der Präparate sollten im Fall eines Hörverlusts unverzüglich einen Arzt aufsuchen, um bleibende Schäden zu vermeiden. In Amerika muss zwischenzeitlich ein entsprechender Warnhinweis auf der Verpackung stehen (Quelle: BILD-online).

Die Risiken von Viagra

Mit der Verwendung und Einnahme von Sildenafil oder Viagra steht zwar erstmals ein hochwirksames, Kreislauf aktives, oral einnehmbares Medikament zur Behandlung von Potenzproblemen zur Verfügung. Aber die Anwendung sollte aber nicht unkritisch und unter Beachtung der wichtigsten Wechselwirkungen (Allergie gegen das Medikament, gleichzeitige Behandlung mit Nitraten und/oder NO-Donatoren, manifeste koronare Herzerkrankung) erfolgen.

Genauso sind auch die Vorsichtsmaßnahmen bei Patienten über 65 Jahre, Patienten mit einer Lebererkrankung oder Penisdeformation sorgfältig zu beachten. Nur so kann gewährleistet werden, dass das Mittel, das für viele Patienten eine neue Hoffnung darstellt, nicht durch falschen Einsatz in Misskredit gebracht wird. Allgemeine Nebenwirkungen sind: Kopfschmerzen, Sodbrennen, Durchfall, Kreislaufreaktionen. Für Männer, die Herzmedikamente mit Nitraten nehmen oder blutdrucksenkende Mittel, kann Viagra zur tödlichen Gefahr werden, für sie ist das Potenzmittel tabu.

Nach dem Patentablauf wurde es billiger

Der Patentschutz des Pharmakonzern Pfizer für die blaue Wunderpille Viagra ist im vergangenen Jahr in Deutschland abgelaufen. Und seitdem stehen schon die Imitate für das 1998 auf dem Markt gekommene Potenzmittel Viagra bereit. Unter dem Potenzpillen-Boom tummeln sich schon dutzende Nachahmer-Varianten unter den Medikamenten.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wurden dafür bereits 28 Zulassungen in Deutschland erteilt. Während die Patienten bisher tief in die Tasche haben greifen müssen, so ist der Preis mittlerweile deutlich gesunken. Das ist für den Patienten durchaus interessant, da der Wirkstoff zwar verschreibungspflichtig bleibt, die Kosten aber nicht von der Krankenkasse übernommen werden.

Trotz des günstigeres Preises und der durchaus realen Wirkung von Viagra wird von Fachleuten und Ärzten empfohlen, Viagra einfach nur als „Lifestyle“-Medikament einzunehmen oder einzusetzen. Schon gar nicht, wenn man nicht unter Erektionsstörungen leidet…

Übrigens:

Die Wirkung von Viagra bei Frauen beschäftigte die Forscher von Anfang an. Aber das Ergebnis der ersten kontrollierten Studie mit 577 Frauen, die unter sexuellen Dysfunktionen litten, war ernüchternd: Wenn es beim Sex nicht klappt, hilft Viagra bei Frauen überhaupt nicht!

 

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