Was bedeutet melancholisch?

oder....von Melancholie und anderen düsteren Gefühlen ...

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Gerade in den Winter- und Herbstmonaten verspüren viele Menschen einen gewissen Hang zu einem trübsinnigen Befinden. Kahle Bäume, Temperaturen um den Gefrierpunkt und eine verhangene Wolkendecke sorgen für ein nachdenkliches und wehmütiges Stimmungsbild.

Dieser als „Winter-Blues“ bekannte Zustand schlägt bei vielen Menschen schnell in eine Winter-Depression um. Eine genaue Definition des Begriffs ist so gut wie unmöglich, denn es spielen hier eine Vielzahl an Phänomenen und Faktoren rein.

Doch in welchen Fällen spricht man speziell von einer Melancholie? Welche Abgrenzungen zu anderen Gebieten gelten hier?

Allgemeines zum Thema Melancholie

Der Begriff „Melancholie“ ist dem altgriechischen Wort „melancholia“ entlehnt und bedeutet so viel wie „Schwarzgalligkeit“. Es bezeichnet eine Art von Schwermut, welcher auf keine besondere Ursache zurückzuführen ist. Ebenso spielen Nachdenklichkeit und eine verstärkte Trübsinnigkeit eine große Rolle. Der Begriff wird in vielen Wissenschaftszweigen breit diskutiert, wie z. B. in der Psychologie, Theologie und Medizin.

Die geschichtliche Entwicklung des Gebiets

Ursprünglich in der antiken Humoralpathologie angesiedelt, beschrieb man „Melancholie“ um 420 v. Chr. als einen „Überschuss an schwarzer Galle“. Jener Körpersaft wurde jedoch nicht nur mit dem schwermütigen Gemütszustand in Verbindung gebracht, sondern ebenfalls mit der Bildung von Thrombosen.

In späteren Zeitachsen, wie dem Mittelalter und der Renaissance, wurde der melancholische Gemütszustand mit astronomischen Ereignissen in Verbindung gebracht. Sowohl Sternbilder, als auch Planeten wie der Saturn standen dabei im Fokus.

In damaligen Zeiten wurde unter „melancolia“ eine Vielzahl an Leiden und depressiven Störungen zusammengefasst. Unzählige Krankheiten wie Eklampsie, Epilepsie, Hysterie, Asthma und Migräne wurden unter diesem Oberbegriff kategorisiert.

Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte wurde das Thema wissenschaftlich und literarisch umfassend aufgearbeitet. So schrieb der britische Schriftsteller Robert Burton im Jahre 1621 das Buch „Anatomie der Melancholie“. Dieses Werk stellt eine Zusammenfassung des kompletten Wissensstands der Melancholie dar. Der auch später noch andauernde Einfluss auf die Wissenschaft ist unverkennbar.

Die psychologische Betrachtung von Melancholie

Nach heutigem Standpunkt ist die Melancholie bereits zum großen Teil in die Medizin und in das Alltagsgeschehen integriert. Man verabschiedete sich frühzeitig von der Theorie der Körpersäfte. Weitere revolutionäre und wissenschaftliche Erkenntnisse wurden Anfang des 20. Jahrhunderts von Sigmund Freud veröffentlicht.

In seiner Theorie erließ er eine strikte Trennung zwischen Melancholie und der Trauer. Nach dieser Erkenntnis bezeichnet die Melancholie ein stark nachlassendes Interesse zur Außenwelt, welches durch starke psychische Blockaden verbunden ist. Ein drastischer Rückgang des Selbstwertgefühls ist unausweichlich.

Daher sieht Freud Melancholiker einer sehr hohen Selbstmordrate ausgesetzt. Den Zustand der Trauer beschreibt er als weit weniger dramatisch.

Nach heutigen Erkenntnissen stellt Melancholie jedoch keine Krankheit dar und ist somit nicht therapiebedürftig. Der Begriff wird eher mit einem „In sich gehen“ und eine „verträumte Traurigkeit“ umschrieben. Daher ordnen heutige Psychologen im Gegensatz zu Freud dem melancholischen Gefühlszustand einen positiven Aspekt zu.

Eine anerkannte Krankheit und somit eine medizinische Indikation ist hingegen die Depression. Denn in diesem Fall liegt eine gravierende Fehlfunktion von bestimmten Vorgängen im Körper vor.

Während man bei der Melancholie sich aus dem Zustand der Bedrücktheit schnell wieder lösen kann, ist dies bei einer richtigen Depression so gut wie unmöglich. Der Zustand der Melancholie ist daher etwas Natürliches und nur vorübergehend.

Sobald man diesen Gemütszustand hinter sich lässt, ist sogar ein positives Resümee möglich. Ein ständiger Wechsel zwischen heiterem und betrübtem Stimmungsbild ist ebenfalls nicht ungewöhnlich. Bei einer Depression sind ein fehlender Antrieb, Niedergeschlagenheit und sogar Suizidgedanken ein Dauerzustand und somit gefährlich.

Eine anerkannte Depression gehört in die Hände von erfahrenen Fachpsychologen und bedarf einer medikamentösen Therapie.

In unserer heutigen Zeit ist Melancholie nichts Besonderes mehr. Tragische Schicksale und Schreckensnachrichten wechseln sich laufend mit großartigen Ereignissen ab. Daher ist eine heitere Nachdenklichkeit mit trübsinnigen Gedanken größtenteils unvermeidlich.

Melancholie in Kunst und Musik

Der Großteil der heute bekannten Musikrichtungen ist zumindest teilweise melancholisch geprägt. Schon in der Klassik war der gleitende Übergang von Trauer zu Lebensfreude ein vielfach beleuchtetes Thema.

In vielen Fällen wird eine Brücke zwischen der Melancholie und dem Humor geschlagen. Komiker und Kabarettisten sehen meistens etwas Positives in der Melancholie.

Sie dient Künstlern oft als Inspiration. Dies wird ausdrucksvoll in einer Ausstellung in Paris und in einem zugehörigen Kunst-Katalog, welcher 400 Seiten umfasst, präsentiert. Die Ausstellung entwickelte sich zu einem wahren Besuchermagneten.

Gerade durch Gemälde versucht der Künstler seine tiefsten Emotionen nach außen zu tragen. Ganz gleich, ob es sich dabei um Wut, Schmerz, Liebeskummer, Verzweiflung oder sogar eine Depression handelt.

Besonders deutlich wird dies bei Werken von Caspar David Friedrich und Albrecht Dürer. Dies trifft ebenso auf die Bildhauerei, Musik und Literatur zu. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass die meisten Künstler Melancholiker sind.

Manche Philosophen gehen in dem Fall sogar noch weiter und bezeichnen das gesamte Leben als eine einzige Folge trauriger Ereignisse. Die Gelehrten begründen diese Behauptung damit, dass im Leben kein Ereignis zu einem erfüllenden Ziel führt, sondern unweigerlich mit der Zeit zum Tod.

Der gesellschaftliche Umgang mit der Melancholie

Wir leben heutzutage in einer Gesellschaft, in der alle Abläufe auf Leistung und Perfektion getrimmt sind. Daher sind Gedanken, bei denen es sich um den tieferen Sinn der Welt oder der Selbstreflexion geht, mit unserem Lebensstil schwer vereinbar.

Diese Aspekte verleihen der Melancholie einen schlechten und verpönten Ruf. Stress und Burn-out sind demnach in vielen Fällen die unvermeidbare Folge. Menschen, welche von Natur aus melancholisch veranlagt sind, sind gegen Stress deutlich resistenter. Denn Melancholiker wehren sich nicht gegen Ihre traurig gestimmten Gefühle, sondern befassen sich mit Ihnen. Dies nimmt der Psyche einen enormen Druck.
Welche Gemütszustände sind ebenfalls häufig anzutreffen?

Im Grunde wird zwischen 4 verschiedenen Arten der Lebenseinstellung unterschiedenen. Einerseits die „Hardcore-Optimisten“, welche jegliche negative Einflüsse komplett ausblenden und alle problematischen Situationen meiden. Dann gibt es die Menschen, welche mit aller Macht versuchen, Probleme zu verdrängen.

Damit baut sich jedoch ein enormer Druck auf, der ebenfalls in vielen Fällen zu massiven Verstimmungen führt. Die tragischste Variante ist jedoch die schwerwiegende Depression. Hier hilft nur eine medizinische Behandlung, denn ansonsten drohen ernsthafte psychische Folgen. Melancholiker fallen somit in die dritte Form und akzeptieren traurige Gegebenheiten, sowie Rückschläge.

Welche Vorteile hat Melancholie?

Auch wenn die Melancholie im gesellschaftlichen Grundtenor einen negativen Touch annimmt, so besitzt sie dennoch einige Vorzüge. Sie hilft dabei, einen klaren Kopf zu bekommen und viele Dinge im Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dies hilft enorm dabei, die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln und viele alte Gewohnheiten zu hinterfragen.

Menschen, welche einen Hang zur Melancholie haben, können sich relativ leicht in andere Personen hineinversetzen. Aufgrund ihrer wesentlich höheren Empathie wirken sie sehr angenehm auf ihre Mitmenschen. Tugenden wie eine erhöhte Wachsamkeit und Aufmerksamkeit sind unter dieser Personengruppe nicht gerade selten.

Sie nehmen sich viel Zeit, auch für augenscheinlich unbedeutende Dinge. Zudem sind viele Melancholiker sehr kreative Menschen. Sie nutzen ihre trübsinnigen Gedanken, um diese in einem künstlerischen Werk zu verarbeiten.

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